Mayr fährt raus (3): Tarsdorf – Gosausee – Bad Ischl

Tarsdorf, 5:15 Uhr. Der Wecker läutet. Um 6 Uhr gibt’ ein flottes Frühstück – und ab geht’s zur Bushaltestelle, wo der letztmögliche Bus in Richtung Salzburg fährt. Ich habe mich für die Route übers Nachbarbundesland entschieden, denn der Weg durch OÖ würde doppelt so lange dauern. Nach Bus, S-Bahn, ein Stück Railjet und noch zwei Bussen bin ich nach gerade einmal 3 Stunden am Ziel: Gosausee, die südlichste Haltestelle Oberösterreichs. Wenn man aus dem Innviertel kommt, fühlt man sich am Weg zum Gosausee fast wie im Öffi-Schlaraffenland…

Severin Mayr in Tarsdorf am Weg zur Bushaltestelle
In Tarsdorf am Weg zur Bushaltestelle

Aus dem westlichsten Innviertel kommend landet man mitten im Tourismusgebiet. Das Ambiente: Beeindruckend. Die Temperatur: Die Hälfte von gestern. Die Fahrt ist so schnell vergangen, dass fast der ganze Tag zur freien Verfügung bleibt.

Tourismus überall

Also rauf auf die Zwieselalm (Seilbahn ist ja auch quasi ein öffentliches Verkehrsmittel), dort eine kleine Wanderung. Leichter Nieselregen, ein bisschen Nebel: Die Alm gehört mir quasi alleine. Der nächste Blogbeitrag wird auf 1.550 Metern Seehöhe geschrieben. Nach einer guten Rast dann wieder runter vom Berg, rein in den malerischen Gosausee, weil das Wasser heute wärmer ist als die Luft.

Auf der Zwieselalm
Auf der Zwieselalm

Problemlos geht es vom Gosausee mit dem Bus, der fast jede Stunde fährt, weiter nach Bad Goisern. Jahreszeitbedingt fährt der Bus verstärkt aus touristischen Gründen, bringt BesucherInnen aus dem Tal hinaus Richtung Eisenbahn. Die BusfahrerInnen sind nebenbei auch gleich als FremdenführerInnen, ÜbersetzerInnen und Servicepersonal tätig. Hier, wie auch auf der gesamten restlichen Strecke, fallen sie durch unglaubliche Freundlichkeit und Kompetenz auf, egal auf welcher Linie.

Die Route, die ich nehme, ist vieles, aber natürlich nicht repräsentativ für Menschen, die die Öffis im Alltag nutzen. Ich spiele kein Pendler-Leben nach, ich bin als Tourist unterwegs, mir geht’s vor allem ums Zuhören. Und da wird schnell klar: Die Abhängigkeit vom Auto besteht auch hier. Ohne eigenes Auto wird es wieder einmal richtig schwierig.

Eine günstige Jahreskarte für Oberösterreich

Kurz darauf finde ich mich in Bad Goisern bei einem Volksmusikabend beim Moserwirt wieder. Bunt zusammengewürfelt sitzen wir am Tisch mit zwei Wanderern aus Wien und Kurgästen aus Tirol.

Die Tirolerinnen sind mit dem Zug angereist. Wir beginnen, über die Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln zu reden. Natürlich sind die beiden Länder schwer zu vergleichen. Ein Flächenbundesland wie Oberösterreich hier, ein von Bergen und langen Tälern gezeichnetes Land wie Tirol dort. Und trotzdem: Die Dame schwärmt vom Tirol-Ticket. Sie als Seniorin fährt um 250 Euro ein ganzes Jahr, regulär kostet es ebenfalls nur 490 Euro. Was in Oberösterreich eine Netzkarte kostet? Ganz einfach. Es gibt keine.

Bad Goisern
Bad Goisern

Wer in Oberösterreich mit den Öffis pendelt, hat meistens eine Jahreskarte für eine gewisse Strecke, die – berechnet nach einem Wabensystem, das über das ganze Bundesland gelegt ist und mit dem man etwa entsprechend der Entfernung bezahlt. Wer von Bad Goisern nach Linz pendelt, zahlt dafür im Jahr 1.480 Euro, will man auch noch das Linzer Netz verwenden, kommen noch 236 Euro Kernzonenaufschlag dazu.

Abends im Salzkammergut

Nach der Volksmusik um 21:00 Uhr gibt es ein letztes Problem für diesen Tag: Ich muss noch ins etwa 8 Kilometer entfernte Bad Ischl weiter, die Grüne Jugend veranstaltet dort ihr Sommercamp, das klingt zu dieser Uhrzeit nach Party.

Öffis nach 20 Uhr? Fehlanzeige, der letzte Zug ist bereits um 19:22 Uhr gefahren. Ich habe nun drei Möglichkeiten: Zu Fuß gehen. Dauert aber etwa eineinhalb Stunden. Autostoppen. Schwierig, wenn es finster ist. Oder jemanden von unserer Jugendorganisation anflehen, dass er mich mit dem Auto abholt. Ich entscheide mich für letzteres. Zur Ehrenrettung, und um ein Klischee zu strapazieren: Ja, es war ein Elektroauto.

Wie fast überall außerhalb der größeren Städte in Oberösterreich gibt’s bei den Öffis im Salzkammergut deutliche Defizite in den Abendstunden. Das wird immer wieder erzählt, wenn man vor allem mit jungen Menschen redet.

Bahnen erhalten und attraktivieren

Eines ist hier im Salzkammergut zentral, das merkt man im Gespräch mit allen Leuten. Die Zugverbindungen. Ob nach Ischl, Hallstadt und nach Obertraun, oder die oft angesprochene Almtalbahn: Da braucht es vor allem bei letztgenannter eine dringende Attraktivierung. Die Eisenbahn muss hier nicht nur erhalten und abgesichert werden, es muss investiert werden. Modernere Wagen, mehr Geschwindigkeit, ein besserer Takt. Eine Bahn für die PendlerInnen, nicht nur (aber auch) für die TouristInnen.

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