autoreifen

Das Kaninchen vor der Autoschlange: Wie sich ein Park-and-Ride-Ausbau still und heimlich in Luft auflöst

110.000 Menschen pendeln jeden Tag nach Linz, davon 75 Prozent mit dem PKW. Dass das, nicht nur in den Morgenstunden, zu einer massiver Staubelastung führt, liegt auf der Hand. Das ärgert dann nicht nur die PendlerInnen, das gefährdet auch die Gesundheit vieler LinzerInnen. Neben der Feinstaubbelastung werden auch regelmäßig Überschreitungen bei den Stickstoffdioxidwerten gemessen, was zu 80 Prozent dem PKW-Verkehr zugeschrieben wird.

Im gültigen verkehrspolitischen Leitbild für den Großraum Linz heißt es daher, dass die Trendentwicklung einer weiterhin ungebremsten Zunahme der „Automobilität“ zu Lasten der anderen Verkehrsmittel zugunsten einer ausgewogenen Verkehrsmittelaufteilung im Sinne des Leitbilds gestoppt werden soll. Dabei soll der Weganteil des Öffentlichen Verkehrs im Großraum Linz gegen den abnehmenden Trend auf 20 Prozent gesteigert werden. Eine Grundvoraussetzung, um dieses Ziel verfolgen zu können, ist den Fokus der oberösterreichischen Verkehrspolitik auf intermodale Mobilität, also die Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrsmittel je nach Eignung für den jeweiligen Weg, zu legen.

Park-and-Ride sollte dabei eine Rolle spielen, heißt es dazu im Gesamtverkehrskonzept für den Großraum Linz:

„Park-and-Ride und Bike-and-Ride ist eine wichtige intermodale Verkehrsform, die den Einzugsbereich von Haltestellen (Bus und Bahn) und Bahnhöfen deutlich vergrößert. Damit können die durch die Dezentralisierung verursachten Erreichbarkeitsdefizite zumindest zum Teil kompensiert werden. Eine wichtige Begleitmaßnahme für Park-and-Ride ist eine restriktive Parkraumpolitik und Parkraumbewirtschaftung in den Zielgebieten der Pendler.“

Im Maßnahmenpaket wurde vorgesehen, die Anzahl der PKW-Stellplätze bei den Park-and-Ride-Anlagen im Großraum Linz von 2.580 auf 5.940 mehr als zu verdoppeln. Ich habe versucht in einer schriftlichen Anfrage im Landtag herauszufinden, inwieweit diese Ausbaupläne fortgeschritten sind – wurde aber durch die Beantwortung des zuständigen Infrastrukturlandesrats Steinkellner durchaus überrascht. Nicht nur, dass bislang kaum Ausbauten passiert sind, wurde in der Zwischenzeit still und heimlich das gesamte Konzept „redimensioniert“ (schönes Wort für „zusammengestrichen“). Und zwar mit dem Argument, dass das P&R-Konzept überdimensioniert wäre und P&R nur dann Sinn macht, wenn man auch gute Öffis hat und gleichzeitig Restriktionen im innerstädtischen PKW-Verkehr einhergehen. Nachdem beides offenbar nicht in der gewünschten Qualität vorhanden ist, lässt man es lieber gleich bleiben und erstarrt wie ein Kaninchen vor der Autoschlange. Eh schon wurscht.

Blöd nur, dass in der letzten Sitzung des Landtags beschlossen wurde, ab 11. Dezember 2016 mit dem S-Bahn-Konzept zu starten, womit deutlich mehr Leute mit dem Zug nach Linz pendeln sollen. Eigentlich eine gute Sache, wenn da dann nicht wieder das Problem mit den fehlenden P&R-Plätzen wäre (schon in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Kapazitätsengpässen)…

Für alle, die es genauer interessiert: So wurde „redimensioniert“:

Park and Ride "redimensioniert"

2 Gedanken zu „Das Kaninchen vor der Autoschlange: Wie sich ein Park-and-Ride-Ausbau still und heimlich in Luft auflöst“

  1. Ich habe im Vorjahr folgende Nachricht versendet. Wie würden Sie zu dieser Variante stehen?
    Sg. Hr. Stadtrat. Ich weiß, Sie sind Verkehrsstadtrat von Linz und nicht von OÖ. Aber die Mühlkreisbahn ( MK ) betrifft auch die Stadt. Ich habe nur so eine Idee, ob die Umsetzbar ist, weiß ich nicht. Warum nicht die MK ab Aigen-Schlägl bis Rottenegg ( Walding ) sanieren, dann bis zum Unterlauf des Kraftwerks Ottensheim, dort die Donau queren, und anschließend in die Trasse der Lilo Richtung Straßham einbinden. Die Benutzer könnten so direkt bis zum Hauptbahnhof fahren. Ab Rottenegg ( Walding ) eine Regiotram bauen, und diese Linie, zuerst auf der alten MK-Trasse und dann vom MK-Bahnhof bis zur Uni Führen. Müsste doch möglich sein. Sicher, die Finanzierung sollte auch gesichert sein. Ob man von der EU eine Regionalförderung bekommt weiß ich nicht. Aber warum nicht, andere Länder bekommen auch Förderungen für Regionalprojekte. Wie ist Ihre Meinung zu der Idee?

  2. Die Idee einer Donauquerung bei Ottensheim wurde schon oft diskutiert, wird aber meiner Einschätzung nach in Bezug auf die Mühlkreisbahn vorerst keine Rolle mehr spielen. Mehr über die Zukunft der Mühlkreisbahn wissen wir vermutlich am Mittwoch, wenn die Systemstudie präsentiert wird. Haben Sie von StR Hein eine Antwort erhalten?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.