Niemand mag die Nibelungenbrücke

Sind wir uns ehrlich: Niemand mag die Nibelungenbrücke. Mit dem Auto oder dem Bus steht man morgens und abends im Stau, zu Fuß ist es eng und man kann bei Gegenverkehr nicht mehr nebeneinander gehen, und mit dem Rad… Ja, mit dem Rad…

Starten wir eine kurze Radelfahrt am Hauptplatz, Fahrtrichtung Norden (die Radlobby hat ein Video der Strecke). Ganze 80 Zentimeter breit und in dieser Form heute nicht mehr genehmigungsfähig ist der Radweg. Rechts von uns: FußgängerInnen. Vor uns: FußgängerInnen (die den Radweg zum gehen verwenden, weil der Gehweg zu schmal ist). Links von uns: die Straße. Die von hinten heransausenden Autos halten die Höchstgeschwindigkeit von 50km/h nicht immer zu hundert Prozent ein. Getrennt sind wir von den Autos durch einen Abgrund. Geschätze 30 Zentimeter geht es nach dem Randstein nach unten zur Fahrbahn. Von einem Schwenk nach links ist dringend abzuraten.

Dann ist der Radweg zu Ende. Wir landen in einer Bushaltestelle. Wenn wir Glück haben, steht gerade kein Bus dort und wir können den Schwung mitnehmen, um uns auf der rechten Fahrspur zwischen die Autos zu drängen. Wenn wir das geschafft haben, kehren wir in Erfahr um und verwenden die Gegenseite der Brücke für die Rückfahrt zum Hauptplatz.

Wir passieren zuerst das Neue Rathaus, immer in der Hoffnung, dass vor uns keine Beifahrertür der haltenden Autos aufgeht und einen zum Abflug bringt (selbst ausprobiert) und gelangen wieder auf die Nibelungenbrücke, diesmal in Fahrtrichtung Süden. Die selben Herausforderungen wie auf der Gegenseite erwarten uns auch hier. Ein schmaler Radweg, viele FußgängerInnen, vorbeisausende Autos, von uns getrennt durch einen Mörderrandstein.

Und dann nähern wir uns der absoluten Schlüsselstelle, sozusagen der Hausbergkante der Nibelungenbrücke: Die Kreuzung beim Warmen Hans (wer keine Würstel mag: Das ist beim Finanzgebäude West). Die entscheidende Frage ist immer: Schaffe ich es, während die Ampel auf grün steht, über die Kreuzung – oder mache ich Bekanntschaft mit einem links von mir fahrendem Auto, das rechts abbiegen möchte. Die Stelle ist nicht nur aus Radfahr- oder FußgängerInnen-Sicht eine besondere Herausforderung. Auch mit dem Auto ist es nur bedingt lustig, hier rechts abzubiegen, wohlwissend, dass sich im toten Winkel eine RadlerIn befinden kann, die man tunlichst nicht übersehen sollte.

Ideen zur Entschärfung der Situation auf der Nibelungenbrücke gibt es viele, etliche davon wurden auch schon im Gemeinderat und im Landtag diskutiert (oder in irgendwelche Ausschüsse verschoben). Auch war es bislang trotz vieler Initiativen nicht möglich, die Gefahrenstelle beim Brückenkopfgebäude West zu entschärfen, nicht einmal eine Änderung der Ampelschaltung war bislang möglich.

Wir haben nun eine weitere Idee in die Diskussion eingebracht, die in Kopenhagen seit Jahren erfolgreich im Einsatz ist: Ein LED-Warnsystem, das entlang des Radwegs AutofahrerInnen explizit warnt, wenn eine RadlerIn in den Kreuzungsbereich einfährt. Ein im Radweg eingebauter Sensor aktiviert das System nur dann, wenn sich ein Rad dem Kreuzungsbereich nähert.

Auf Video sieht das etwa so aus:

Mehr Infos bei Copenhagenize.

In Linz könnte das dann so aussehen:

Nibelungenbrücke

In den Jahren 2013 und 2014 gab es im Bereich der Nibelungenbrücke 12 (!) Unfällen mit Personenschaden, die angezeigt wurden. Das sind genau 12 zu viel. Ändern wir etwas. Besser heute als morgen.

Ein Gedanke zu „Niemand mag die Nibelungenbrücke“

  1. Diese Idee ist super, ich als Autofahrer fühle mich auch immer unsicher wenn ich hier abbiege, zu schnell kann man einen Radfahrer übersehen.

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