Von „astronomischen Summen“ und „menschenunwürdiger Hetze“

Freiheitliche Statements zur Kulturpolitik muss man eigentlich nicht immer kommentieren. Meist tritt ohnehin eine Situation ein, in der sich blaue Wortmeldungen von selbst disqualifizieren und jeder weitere Kommentar dazu die Skurrilität zwar sichtbarer, aber deswegen nicht erträglicher macht. Manchmal geht mir diese Selbstdisqualifaktion dann doch zu weit. Bei der Kampagnisierung gegen Vereine der Freien Szene in Zusammenhang mit einem der Stadtwache dem Ordnungsdienst kritisch gegenüberstehenden Projekt ist das der Fall.

Die FPÖ funktioniert ja recht einfach, sie reagiert meist auf bestimmte Reizwörter wie Integration, NS-Zeit, Kultur oder Sicherheit. Sollte einer dieser Bereiche angesprochen werden, setzt sich immer der selbe Mechanismus in Gang. Das sei entweder „österreichfeindlich“, „Verschwendung von Steuergeldern“ oder „linkslinke Träumereien“. Zumindest auch ein Skandal, Vertuschung und sowieso ein Wahnsinn. Das trifft auch beim aktuellen Fall zu.

Also: Jemand programmiert eine Webanwendung mit dem Namen Stadtwachewache. Damit können Begegnungen mit dem Ordnungsdienst dokumentiert und grafisch dargestellt werden. Ziel dieses Projekts ist eine kritische Auseinandersetzung mit der immer stärker werdenden Überwachung im öffentlichen Raum. „Menschenunwürdige Hetze“ sei das, meint die FPÖ. Dass aber gleichzeitig beim Ordnungsdienst offensichtlich sogar ein Projekt von Social Impact schamlos kopiert und mit Wissen des FPÖ-Sicherheitsstadtrates MitarbeiterInnen des Ordnungsdienstes von Detektiven überwacht werden, ist dem freiheitlichen Anfragensteller keine Silbe Wert.

In der Folge wirft die FPÖ Zahlen in die Diskussion und stellt eine Anfrage im Gemeinderat (die Anfragebeantwortung durch Vizebürgermeister Watzl liegt noch nicht vor). Natürlich ist ihnen wieder völlig egal, an wen etwas (nicht) bezahlt wurde, um welche Zeiträume oder um welche Projekte es geht. „Unterstellen wir doch einfach eine Zahl“, denkt man sich offenbar in der FPÖ. „Mir fällt keine ein, nennen wir es einfach ‚astronomische Summen’“ (ein Blick in das städtische Budget oder den Subventionsbericht der Stadt Linz hätte gereicht, um die Begrifflichkeit vielleicht kurz lustig zu finden, aber dann dennoch mangels Kompatibilität mit der Realität davon abzusehen). Durch die Vermischung von Vereinen, Abrechnungszeiträumen und der grundsätzlichen Ablehnung gegen kritischer Kunst entsteht dann ein reichliches wirres politisches Statement.

„Politisch motivierte Hetze ist keine förderungswürdige künstlerische Leistung“, sagt die FPÖ. Alleine der Begriff der Hetze (meiner Einschätzung nach eigentlich eher eine freiheitliche Kernkompetenz) zeigt, was die FPÖ von Kulturprojekten hält, die sich kritisch mit einer städtischen Einrichtung auseinandersetzen. Bemerkenswert auch gleich die Feststellung, dass so etwas nicht förderungswürdig sein kann. Aber während die FPÖ vom Geld redet, geht es ihr doch um etwas ganz anderes: Es geht ihr um eine Definitionshoheit darüber, was Kunst sein darf und muss.

Es ist ja alles ganz einfach: Schlagworte verwenden, mit Zahlen herumwerfen, abstruse Behauptungen aufstellen. Skandal perfekt. Nur bitte nicht darüber nachdenken, welche Rolle kritische Kulturinitiativen in unserer Gesellschaft einnehmen. Ganz offensichtlich passt es mit einem freiheitlichen Kulturverständnis nicht zusammen, dass Kunst politisch ist (Anm. für den Fall, dass sich FPÖlerInnen auf meinen Blog verirren: nicht zu Verwechseln mit parteipolitisch!). Im Gegenteil. Sie muss dann auch einmal ein bissl brav sein, die Freie Szene. Kaiser Robert Heinrich I. dient wohl als Vorbild für Freiheitliches Politik- und Demokratieverständnis.

Ein Gedanke zu „Von „astronomischen Summen“ und „menschenunwürdiger Hetze““

  1. Danke Severin, so klar und emotionslos muss es (nach außen hin dargestellt) sein, wenn man über diese A*** [editiert durch SM] redet. Was man sich denkt, muss man nicht schreiben. Zumindest nicht immer.
    ;-)
    Gut gemacht.
    Liebe Grüße, Kurt

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