Wenn es kein Landeshauptmann-Duell gibt…

Vor jeder Wahl stellt sie die Frage, wie man es schaffen kann, die eigenen SympathisantInnen zu motivieren zur Wahl zu gehen und dann auch noch das Kreuz an die richtige Stelle zu setzen. Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze, wie zum Beispiel das Setzen von Themen, die im eigenen WählerInnenpotential von großer Bedeutung sind oder auch die Fokussierung auf politische (Macht-)Verhältnisse in Verbindung mit Personen. Die SPÖ hat dabei vor der Landtagswahl in Oberösterreich am 27. September ein Problem: Gab es vor der letzten Wahl 2003 noch Diskussionen rund um die VÖEST, so fehlt diesmal ein Thema, das in die Kernkompetenz der SPÖ fällt (in der Debatte um die Wirtschaftskrise wird eher die ÖVP zugetraut, die Probleme zu lösen – warum auch immer). Also sucht die SPÖ einen neuen Ansatz, um im Wahlkampf punkten zu können: Ideal wäre es in dieser Situation natürlich, wenn sich ein polarisierendes „Landeshauptmann-Duell“ abzeichnen würde und vor der Wahl unklar wäre, ob ÖVP oder SPÖ den ersten Platz belegen. Eine relativ simple und wirkungsvolle Strategie – wenn die Umfragedaten mitspielen.

Wahlprognosen sind Spekulation?
Wahlprognosen sind Spekulation?

Und genau hier liegt das Problem der SPÖ in Oberösterreich, alle aktuellen Umfragen sagen der ÖVP einen deutlichen Vorsprung voraus, die SPÖ würde massiv verlieren. Eine am 4. Juli in den OÖ. Nachrichten veröffentlichte Umfrage vom Marktforschungsinstitut Spectra (n=700, Erhebungszeitraum Ende Juni) sieht die ÖVP bei 43-45%, die SPÖ bei 31-33%, die Grünen bei 8-10% und die FPÖ bei 10-12%. Die Differenz zwischen ÖVP und SPÖ von 10 bis 14 Prozent freut die SPÖ nicht: Schlechte Umfragewerte – kein Landeshauptmannduell – keine Mobilisierung.

Auf diese missliche Lage reagiert die SPÖ mit einer Inseratenkampagne, in der Wahlprognosen als Spekulation hingestellt werden. Dabei werden Umfragedaten und tatsächliche Wahlergebnisse verglichen (bei dem Vergleich steigt natürlich die SPÖ immer besser aus als die ÖVP, aber das soll nicht weiter verwundern). Was allerdings verwundert, ist die Tatsache, dass im Inserat bei den Wahlprognosen weder ein Datum noch das durchführende Marktforschungsinstitut genannt werden, ganz zu schweigen davon, dass natürlich keine AuftraggeberInnen abgeführt sind. Ich habe mir also die Mühe gemacht mittels Google herauszufinden, welche Prognosen die SPÖ meint.

Im Inserat schreibt die SPÖ, dass vor der Landtagswahl 2003 für die SPÖ ein Ergebnis von 28 Prozent vorausgesagt wurde, tatsächlich wurden es aber 38 Prozent. Google wirft mir einen Artikel der Wiener Zeitung aus, der wenige Tage vor der Wahl erschien. Dort wird der SPÖ ein Ergebnis von 32-35% prognostiziert: Diese Prognose liegt zwar unter dem tatsächlichen Wahlergebnis, aber weit entfernt von den Daten, die die SPÖ im aktuellen Inserat nennt.

Für die Nationalratswahlen habe ich auf die schnelle leider keine oberösterreich-spezifischen Umfragen gefunden (wie gesagt, die SPÖ nennt im Inserat ja leider weder Markforschungsinstitut noch Datum), also habe ich auf österreichweite Daten zurückblicken müssen: 2006 hat die ÖVP massiv verloren (- 8%), dieses Ergebnis wurde in den Umfragen tatsächlich nicht vorausgesagt. 2008 wurde die SPÖ trotz eines Minus von 6 Prozent wieder stimmenstärkste Partei, sie erreichte dabei rund 29 Prozent. Dieses Ergebnis sagten die Umfragen auch relativ eindeutig voraus (zu Schwankungen in den Umfragen kam es damals vor allem durch die Ankündigung einiger kleiner Parteien an der Wahl teilzunehmen). Diese These bestätigt unter anderem eine Grafik von neuwal.com.

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Die Strategie der SPÖ ist also recht einfach zu durchschauen: Umfragen werden als Spekulation dargestellt, um sich die Chance auf ein mobilisierend wirkendes Landeshauptmannduell nicht entgehen zu lassen, die ÖVP dagegen wird wohl alles tun, um diesem Duell zu entgehen, auch die Grünen und die FPÖ wären die Leidtragenden, sollte die Landeshauptmannfrage vor der Wahl in den Mittelpunkt rücken. Das ist zum momentanen Zeitpunkt aber nicht zu erwarten. Interessant ist aber auch, dass die SPÖ Wahlprognosen zwar als Spekulation hinstellt, gleichzeitig aber selbige auch gerne selbst in Auftrag gibt und veröffentlicht – wenn die Zahlen passen…

5 Gedanken zu „Wenn es kein Landeshauptmann-Duell gibt…“

  1. Gelungener Artikel! Habe die Werbung heute auch in der Sonntagsrundschau gesehen, so habe ich mir einen Blogpost dazu gespart, da du den Nagel wieder einmal am Kopf triffst… ;-)

    Recht viel ideenloser als diese Werbung geht es meiner Meinung nach jedenfalls nicht mehr. Mensch merkt, dass der SPÖ nach den Peinlichkeiten bei Energiewende und Spitäler die Argumente ausgehen. Um von der eigenen Unglaubwürdigkeit abzulenken, versucht sie nun ausgerechnet mittels der Unglaubwürdigkeit von Wahlprognosen ein Duell zu beschwören, das es nicht gibt. Dafür ist das eigentliche Duell dieser Landtagswahlen, nämlich jenes um Platz 3, Realität und umso wichtiger!

  2. doch, eigene probleme gibt es, ich denke nur an die debatte rund um eine kandidatur von voggenhuber, die dafür gesorgt hat, dass grüne inhalte in der auseinandersetzung vor der europawahl nicht wahrnehmbar waren (im gegensatz zu anderen staaten in europa). in diesem blogbeitrag habe ich aber nur versucht die motivationen für ein hochstilisiertes landeshauptmann-duell zu beleuchten.

  3. eigene probleme habt ihr keine?
    die OÖ-grünen habe ich weder bei der europa-wahl, noch bei dieser wahl wirklich wahrgenommen.

    dabei spielt im moment alles für die grünen. nur scheint bei euch partout keiner zu wollen, oder?

    wolfgang

  4. klar, ich habe schon verstanden, warum du dieses hochstilisierte landeshauptmann-duell beleuchtet hast.
    feines service, aber es ist wahlkampf. ich möchte wissen, warum ich grün wählen soll, muss oder nicht.
    sorry, es dringt nichts durch zu mir.
    bei der europa-wahl drangen wenigstens die europäischen grünen zu mir durch, aber in diesem wahlkampf wird euch diese hilfe wohl nicht zu teil.

    vorschlag: geht von haushalt zu haushalt.

  5. wir werden am donnerstag unsere hauptthemen für den wahlkampf in linz präsentieren und dann natürlich auch versuchen, die so zu transportieren, dass man davon auch etwas mitbekommt. wichtig dabei wird auf jeden fall sein, mit möglichst vielen menschen ins gespräch zu kommen. du hast aber absolut recht damit, dass unsere themen in den letzten monaten wirklich nicht so durchgekommen sind, wie wir uns das gewünscht hätten.

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