Kurzmeldungen II

Finanzdesaster: Verluste in noch nicht vorhersehbarer Höhe (kolportiert werden 264 Millionen Euro) können durch ein SWAP-Geschäft entstehen, das die Stadt Linz im Jahr 2007 mit der BAWAG abgeschlossen hat. Bislang sind Kosten von rund 24 Millionen Euro angefallen, der aktuelle Kurs des Schweizer Franken, der ua. zur Berechnung der zu leistenden Zahlungen herbeigezogen wird, macht die Situation nicht besser. In erster Linie muss es aus unserer Sicht jetzt darum gehen, den finanziellen Schaden abzuwenden, daher unterstützen wir auch die Klage der Stadt Linz gegen die BAWAG. In einem zweiten Schritt muss lückenlos aufzuklären, wie es überhaupt zu diesem Desaster hat kommen können, darüber hinaus muss verhindert werden, dass Spekulationen mit Steuergeldern überhaupt möglich sind. Warum jedoch die FPÖVP-Forderung nach einem Untersuchungsausschuss populistisch ist und warum die lückenlose Aufklärung der Finanzgeschäfte der Stadt Linz nur durch den Kontrollausschuss garantiert wird, haben wir im Rahmen einer Pressekonferenz zusammengefasst.

Umfrage: Die öffentliche Bewertung von Umfragen laufen in der Politik normalerweise folgendermaßen ab: Sind die Umfragewerte für eine Partei gut, wird darin eine Bestätigung der eigenen Arbeit gesehen. Zeigt die Linie jedoch nach unten, wird davon gesprochen, dass Umfragen nicht überbewerten werden dürften und das einzig und alleine das Wahlergebnis zählt. Eine von der FPÖ bei IMAS in Auftrag gegebene Untersuchung für Linz (n=602) löst bei mir also erstgenannte Schlussfolgerung aus (abgesehen davon, dass auch die FPÖ zulegt): Demnach kommt die SP auf 34-36% (2009: 41,0), die ÖVP auf 21-23% (2009: 27,7), die FPÖ auf 19-21% (2009: 14,8), die Grünen liegen aktuell bei 18-20% (2009: 12,3). Quelle: OÖ. Nachrichten

Verteilungsgerechtigkeit: Laut @InjusticeFacts ist das Einkommen der reichsten 225 Personen gleich hoch wie das der 4 Milliarden ärmsten. Passend dazu hat die Zeit eine Grafik veröffentlicht, in der ersichtlich wird, wie niedrig österreichische Vermögen im internationalen Vergleich besteuert werden (via @medienpirat).

Ehrenbürger: Adolf Hitler war bis vorgestern Ehrenbürger in Amstetten. Bei einem Antrag auf Aberkennung des Titels hat die FPÖ übrigens nicht (!) zugestimmt. Begründung: Im Jahr 1946 hätte der Alliierte Kontrollrat die Ehrenbürgerschaft überall aberkannt. Blöd nur, dass der Alliierte Kontrollrat seine Beschlüsse nur für Deutschland fällte. Interessant aber auch die SPÖ-Wortmeldung zur Causa, die den Grünen Gemeinderat kritisiert, der das Thema aufgebracht hat: „Er hat wegen einer populistischen schnellen Botschaft in den Zeitungen großen Schaden für Amstetten angerichtet.“

Gratulation: Bei den gestern zu Ende gegangenen ÖH-Wahlen hat die GRAS an der JKU Linz ein Plus von 3,5% erreicht – ich gratuliere!

Petition zum Atomausstieg

Über 15.000 Unterschriften zählt die von den Grünen unterstütze und von Global 2000 initiierte Petition “Atomausstieg – Abschalten jetzt!” zwei Tage nach dem Start. Die Kernforderungen der Petition (Langtext):

  • Sofortige Abschaltung aller Hochrisiko-Reaktoren in Europa!
  • Stopp für Laufzeitverlängerung und Neubaupläne von AKW!
  • Abschaltplan für alle anderen europäischen AKWs bis 2020!
  • Stopp der Milliarden-Subventionen an die Atomindustrie
  • Ökostrom statt Atomstrom – Nachhaltige Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienz!

Die Unterschriften werden an die EU-Kommission sowie die Staats- und RegierungschefInnen aller EU-Staaten, die Atomkraftwerke betreiben, übergeben. Ziel ist eine europaweite Volksabstimmung über den europäischen Atomausstieg.

Weltweit stammen übrigens 14% der Stromproduktion aus Atomkraftwerken, berichtet das deutsche Umweltbundesamt (via @solar_fun) – und Atomstrom scheint gar nicht so billig zu sein, wie oftmals gesagt wird: In Deutschland wurde und wird laut Greenpeace Atomstrom mit 304 Milliarden Euro subventioniert.

Kurzmeldungen I

Fremdenrecht: Ein “ganz großes Paket” sieht die Innenministerin, ein “gutes Paket” der Verteidungsminister, so zu lesen auf derstandard.at. Große Zufriedenheit dürfte also in der Regierung herrschen, wenn es darum geht, im “Ausländerrecht” weitere Verschärfungen zu verankern. Einbürgerungen erschweren, Kinder in Schubhaft oder Entzug der Obsorge, Verkürzung der Frist beim Deutschlernen, Erhöhung der Schubhaftdauer, und so weiter und so fort. Die Grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun hat die geplanten Änderungen umfassend analysiert.

Passend dazu auch der Spot “Lass mas bleiben”:

Bettelverbot: Am 10. März wollen ÖVP und FPÖ im OÖ. Landtag ein Bettelverbot beschließen. Mit diesem Gesetz soll erreicht werden, dass Ordnungsdienste wie die Linzer Stadtwache gegen “illegales oder organisiertes Betteln” (das übrigens sowieso schon verboten ist) vorgehen können. Meine Vermutung: Dieses Gesetz wurde eigens dafür erfunden, um für den Linzer Ordnungsdienst eine weitere fragwürdige Existenzberechtigung zu schaffen. Wir bringen uns in diese Debatte unter anderem mit einer Diskussionsveranstaltung am 2. März ein. Mehr Infos dazu gibt es auf der Website der Grünen Linz bzw. auf Facebook (und weil ich schon dabei bin, empfehle ich auch die Seite bettellobby.at).

Tierschutzprozess: Seit knapp einem Jahr wird am Landesgericht in Wiener Neustadt der sogenannte Tierschutzprozess verhandelt. Am gestrigen 73. Verhandlungstag habe ich es auch endlich einmal geschafft, den Prozess zu besuchen. Juristische Bewertungen fallen mir als Laien natürlich schwer (ich verweise dabei auf den Blog von Albert Steinhauser), was ich von diesem Prozesstag also mitgenommen habe, sind vor allem emotionale Eindrücke. Immer wieder kam mir in Vergangenheit bei der Verfolgung der Verhandlungen der Gedanke, dass derstandard.at bei seiner Liveberichterstattung den Verhandlungsablauf besonders skurril und überspitzt darstellt. Nach dem heutigen Tag kann ich sagen: Die Liveberichte entsprechen leider den Tatsachen…

Verfahrenseinstellung trotz frappierender Ähnlichkeit

Arminia Czernowitz (2010), NSDAP (1931)

Ein NSDAP-Plakat aus dem Jahr 1931 und eine Einladungskarte der Akad. Burschenschaft Arminia Czernowitz aus dem Jahr 2010 weisen Ähnlichkeiten auf. Fast könnte man meinen, dass es sich um ein und das selbe Sujet handelt, das für die “modernere” Variante nur geringfügig bearbeitet wurde. Aus diesem Grund habe ich im Mai diesen Jahres eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt, weil für uns der dringende Verdacht besteht, dass es sich hierbei um einen Verstoß gegen das Verbotsgesetz handelt. Die Staatsanwaltschaft sollte das in Hinblick auf das Verbotsgesetz bzw. auf die strafrechtliche Relevanz prüfen (vgl. dazu Artikel der APA auf derstandard.at). Continue reading